Zukunftsvision Gigabitgesellschaft: So könnte sich die Gesellschaft entwickeln

Das Internet hat einen enormen Einfluss auf unsere Zivilisation. Auch in Zukunft werden wir die Veränderungen spüren, wenn wir auf dem Weg in die Gigabit sind.


WiSoTEL Gigabitgesellschaft

Von der Informationsgesellschaft zur Gigabitgesellschaft

Aktuell sind wir jedoch noch ein ganzes Stück von der Gigabitgesellschaft entfernt. Das zeigt sich beispielsweise in den jüngsten Aussagen des Internetministers Alexander Dobrindt. Dieser bekräftigt das Ziel, bis 2018 eine flächendeckende Versorgung mit 50 Mbit/s schnellem Internet zu gewährleisten. Allerdings soll bis 2025 erst eine Gigabit-fähige, konvergente Infrastruktur aufgebaut werden. Damit werden die Rufe der Netzbetreiber nach einer Glasfaser-Strategie der Bundesregierung zumindest teilweise erhört. Nach diesen Forderungen an die Glasfaser-Strategie soll die Bundesregierung von kleinlichen Zielen der Bandbreitesteigerung abrücken und die Voraussetzungen für ein Gigabitnetz schaffen. Von zentraler Bedeutung dafür ist die Glasfasertechnologie.

Aktuell leben wir noch nicht in einer Gigabitgesellschaft. Trotzdem haben wir uns gefragt, welche Bedeutung die Gigabitgesellschaft für unsere Gesellschaft hat und wie sie uns verändert. Wird es futuristisch wie bei Star Trek oder bleibt eher alles beim Alten?

Der Blick in die Glaskugel

Diese Fragen hat sich auch das Frauenhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) gestellt und ein paar Zukunftsszenarien entwickelt. Teilweise weisen die Szenarien viel Ähnlichkeit mit der uns bekannten Welt auf. Das liegt daran, dass die Grundsteine für die Verwirklichung der Gigabitgesellschaft schon heute gelegt werden. Da ist beispielsweise das Szenario „Do it Yourself“. Wer heute zum Beispiel stricken lernen will, muss nicht mehr darauf hoffen, dass jemand aus dem Umfeld stricken kann, sondern schaut sich stattdessen Tutorials auf YouTube an. Wer anderen Leuten stricken beibringen möchte, veröffentlicht jene Videos. Die Forscher vom ISI glauben, dass der Wunsch, selbst aktiv zu werden auch in anderen Gebieten, wie dem bürgerschaftlichen Engagement Fuß fassen wird. Das könnte so aussehen, dass Bürger alleine oder in der Gruppe vermehrt kulturelle Aktivitäten eigenständig planen und umsetzen. Dabei erhalten sie Unterstützung von oder teilen ihre Erfahrungen mit anderen Initiativen. Das Netz bietet dann die Plattform für den Austausch.

Auch „Open Everything“ ist ein Szenario, das schon teilweise Realität ist, denn viele Informationen sind bereits frei im Internet verfügbar. Besonders wichtig ist dies im Bereich der Bildung und der Wissenschaft. Die freie Zirkulation von Wissen ermöglicht es, flachere Strukturen zu etablieren. Denn wozu braucht es noch strenge Hierarchien, die auf Wissen beruhen, wenn dieses frei verfügbar ist? Diese Diskussion werden wir wahrscheinlich in Zukunft öfter hören. Auch Hierarchien können unter diesem Gesichtspunkt in Frage gestellt werden.

Das Szenario „Vernetzte Mobilität“ könnte dafür sorgen, dass wir bald viel flexibler die verschiedenen Transportmöglichkeiten nutzen. Wenn wir wissen wollen, wann der nächste Bus oder die nächste Bahn kommt, schauen wir schon heute schnell aufs Smartphone und wissen Bescheid. In der Gigabitgesellschaft können wir so nach Lust und Laune zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln wechseln. Damit dürfte auch Car-Sharing immer beliebter werden, denn die Flexibilität macht eigene Autos weniger attraktiv. Intelligente Verkehrsleitsysteme können beispielsweise immer aktuell verfügbare Parkplätze suchen.

Auch im Bereich der Gesundheit kann die Gigabitgesellschaft von Vorteil für uns sein. Das Stichwort lautet hier Telemedizin. Damit kann ein Arzt trotz räumlicher Distanz zum Patienten eine Diagnose stellen. Das ist besonders in ländlichen Gebieten interessant. Hier sind Spezialisten nämlich oft Mangelware.

Stolpersteine auf dem Weg zur Gigabitgesellschaft

Das ISI merkt an, dass diese Szenarien nur Möglichkeiten sind. Damit diese Realität werden, müssen noch mehrere Stolpersteine überwunden werden. Zum Beispiel braucht die Gigabitgesellschaft auch ein Gigabitnetz. Dafür benötigen wir ein Glasfasernetz und einen konsequenten Netzausbau. Auch die Themen Datenschutz und Datensicherheit sind von zentraler Bedeutung für das Funktionieren der Gigabitgesellschaft.

Weiterentwicklung vom „Heute“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Gigabitgesellschaft nicht so futuristisch wie Star Trek sein wird. Sie ist eher eine Weiterentwicklung aktueller Ansätze. Diese Entwicklung bietet viele positive Aspekte, bedeutet aber auch, dass die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.