Die Digitale Revolution erfordert eine neue, digitale Ethik

Das Internet, mit seinen Errungenschaften wie Glasfasernetzen und DSL, ist vor allem eine technische Revolution. Allerdings ändern sich mit der Technik auch unsere Gesellschaft und deren Ethik.

WiSoTEL digitale Ethik

Digitale Revolution so gravierend wie die Industrielle Revolution

Schon die Industrielle Revolution hatte gravierende Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft. Das betraf nicht nur die Möglichkeiten in der Produktion und den technischen Fortschritt, sondern auch die Lebensumstände der Menschen. Die Dampfmaschine ermöglichte den Übergang von einer überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft zu einer durch Lohnarbeit geprägten Gesellschaft. Es bildete sich eine breite Arbeiterschicht, die es in die Städte zog. Das führte natürlich auch dazu, dass sich die Ethik innerhalb der Gesellschaft veränderte. So war es früher beispielsweise üblich, dass mehrere Generationen einer Familie unter einem Dach lebten. Mit der Industriellen Revolution änderte sich dies. Dadurch wurde unter anderem die Rentenversicherung als gesamtgesellschaftliches Konzept notwendig.

Auch das Internet und die Digitale Revolution haben ähnliche gravierende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und die Ethik wie damals die Industrielle Revolution. Begonnen hat dies Ende der 60er des 20. Jahrhunderts. Der Vorgänger des Internets sollten Universitäten und Forschungseinrichtungen miteinander verbinden, um Rechenleistungen sinnvoll zu nutzen. Schon damals war Kommunikation über E-Mail möglich. Mit den Jahren verbreitete sich das Internet an den Universitäten. Auch die ersten Umgangsregeln (Netiquette) in der digitalen Kommunikation bildeten sich aus. Ein Anzeichen dafür, dass auch die digitale Welt Ethik braucht. In den 90ern kam es dann zu einer Kommerzialisierung des Internets. Immer mehr Menschen waren über das Internet miteinander vernetzt. Daraus bildeten sich später die ersten sozialen Netzwerke.

Digitale Ethik und soziale Netzwerke

Die sozialen Netzwerke zeigen wahrscheinlich am deutlichsten, dass sich unsere Ethik und unsere Moralvorstellungen ändern. Der Deutsche Knigge-Rat hat sogar einen eigenen Social-Media-Knigge herausgegeben. Die Veränderung unserer Ethik in sozialen Netzwerken möchten wir an einem Beispiel zeigen: Exhibitionismus und soziale Netzwerke: Privatsphäre war früher sehr wichtig. Durch die sozialen Netzwerke hat sich daran allerdings viel geändert. Mittlerweile haben viele Menschen verstärkt das Bedürfnis, übers Internet zu kommunizieren. Dabei werden oft vertrauliche Details gepostet, die früher nur dem engsten Bekanntenkreis zugänglich waren. Wer sich öffnet, bekommt als Belohnung eine Art digitale Währung: die Likes. Teilweise dienen die Posts auch der reinen Selbstdarstellung. Unter dem Hashtag „foodporn“ finden sich beispielsweise Bilder von Mahlzeiten, welche die Nutzer selbst gekocht haben oder gerade verspeisen. Die Meinungen zu diesem Trend gehen stark auseinander. 43 Prozent der Nutzer sind von dieser Art der Kommunikation genervt, 40 Prozent fühlen sich hingegen inspiriert.

Digitale Kultur des Miteinanders

Dass Ethik in der Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen sollte, zeigt sich auch an weiteren Stellen im Internet. Besonderes Beispiel ist hier die Diskussionskultur. Zwar können wir hier auch wieder insbesondere auf die sozialen Netzwerke schauen, allerdings findet sich das Problem auch in Kommentarspalten von Medien, in Foren, Chats und auch überall sonst im Internet. Durch die scheinbare Anonymität des Internets sagen einige Menschen Dinge, die sie im realen Leben nie sagen würden. Auch das wird mit Likes belohnt. Denn egal wie abstrus eine Aussage ist, sie findet im Internet Anhänger. So gibt es beispielsweise Verschwörungstheoretiker, die auch im Jahr 2016 noch an eine flache Erde glauben.

Eine große Gefahr für Internetdiskussionen stellen sogenannte „Trolle“ dar. Diese Menschen sind nicht an einer sachlichen Diskussion interessiert, sondern kapern sie und verwandeln sie in ein destruktives Chaos. Betreiber von Angeboten im Internet wollen über Netiquetten und selbst erstellte Regeln das Verhalten der Nutzer in geordnete Bahnen lenken. Wenn das nicht klappt, werden Kommentare gelöscht oder Nutzer blockiert. Viele Nutzer sehen darin eine Zensur oder eine Einschränkung der Meinungsfreiheit. Dieses Grundrecht soll allerdings vor staatlichem Handeln schützen und greift daher in der Regel bei privaten Internetangeboten nicht.
Digitale Ethik geprägt von Umsonstkultur

Durch das Internet sind wir es gewohnt, viele Dinge zu bekommen, ohne etwas dafür zu bezahlen. Wobei das auch nur bedingt stimmt, denn sehr oft zahlen wir mit unseren Daten. Nachrichten werden kostenfrei zur Verfügung gestellt ebenso wie die Nutzung von sozialen Medien. Negativ äußert sich das beispielsweise bei Filmen, Musik und Büchern, die kostenfrei heruntergeladen werden. Das ist meistens illegal oder zumindest eine rechtliche Grauzone. Für die Künstler stellt das in der Regel aber so oder so einen Schaden dar.

Digitale Ethik und Gesetze

Auf den ersten Blick wirkt es so, als ob das Internet eine Art digitaler Wilder Westen ist. Dieser Eindruck täuscht aber. Im Internet gelten dieselben Gesetze wie auch in der realen Welt. Wer beleidigt, betrügt oder andere Straftaten begeht, muss mit Konsequenzen rechnen. Das zeigen beispielsweise aktuelle Verurteilungen zu Volksverhetzung im Internet. Auch zivilrechtlich werden die Täter zur Rechenschaft gezogen. So kann es beispielsweise zum Verlust des Arbeitsplatzes kommen. Raubkopierer müssen hingegen mit Schadensersatzforderungen rechnen.

Unsere Ethik wirkt sich letztlich auf die geltenden Gesetze aus und diese haben auch Einfluss auf unsere Ethik. Der Gesetzgeber ist hier also gefragt, die Ethik in geltendes Recht umzusetzen. Im Bereich des Internets zeigt sich das beispielsweise in der Europäischen Datenschutzgrundverordnung. Auf Bundesebene gibt es hier das Bundesdatenschutzgesetz. Dies regelt einen wichtigen Grundsatz des Internets: die Netzneutralität. Nach diesem Grundsatz werden alle Datenpakete mit der gleichen Geschwindigkeit übertragen. Für WiSoTEL bedeutet das: Egal ob Sie Filme schauen, E-Mails schreiben, zocken oder etwas anderes im Internet machen, ihre Daten kommen immer gleich schnell an.

Fazit

Durch die Digitale Revolution haben wir nicht nur eine technische Umwälzung, sondern auch eine gesellschaftliche und ethische. Dadurch entstehen neue Herausforderungen. Das betrifft natürlich auch Telekommunikationsanbieter wie WiSoTEL. Wir müssen für die ethischen Fragen hauptsächlich technische Lösungen finden. Das zeigt sich am Beispiel der Netzneutralität.